Vorwort :
Seit den Pionierarbeiten von Menezo et al in den Jahren 1990 (1) und 1992 (2) hat sich die Problematik zur Kultivierung menschlicher Präimplantationsembryonen in Kokultur bzw.der transfer vom 5 Tage alterne Embryologie (expendierter Blastozyst) sehr geändert.
Wegen Mangel an spezifischen Kulturmedien für Blastozysten, werden seit praktisch 20 Jahren die Embryonen in einem unphysiologischen Stadium (2-8 Zeller) zurück in den Uterus übertragen. Unter natürlichen Bedingungen (in vivo) empfängt die hormonell vorbereitete Gebärmutterschleimhaut nur Embryonen im Blastozyst- Stadium (d.h. Implantationsstadium 5-6 Tage nach Befruchtung).
Mit der Entwicklung von hoch spezifischen sequentiellen Medien ist heutzutage die Kultivierung und der Transfer von Blastozysten eine erfolgreiche Realität, die in sehr vielen Ländern angeboten wird. Gardner 1998 (3) ,Menezo et al 1998 (4)
Die bioklinische Bedeutung von Blastozysten-Kulturen und des Transfers ist weltweit akzeptiert worden und hat sich Schritt für Schritt in der IVF Routine durchgesetzt.
Ziel der Kultur & des Transfers von Blastozysten :
Das Hauptziel der IVF und Embryonen-Kultur ist hoch überlebensfähige Embryonen in vitro zu zeugen. In vitro kultivierte Präimplantationsembryonen, die sich bis zu 5 Tagen nach Befruchtung durchgesetzt haben, sind hoch vitale Embryonen mit erhöhter Implantationsfähigkeit. Der Transfer solcher Blastozysten bedeutet quasi eine Verdoppelung der Implantationsrate .
Bedingungen der Blastozysten-Kultur & -Transfer :
Die Blastozysten-Kultur und der Transfer mit optimalen Embryonen ist zunächst eine sehr viel versprechende Alternative für bestimmte Indikationen wie z.B. wiederholt erfolglose IVF Zyklen.
Seit ein paar Jahren haben sich jetzt kommerziell verfügbare Sequenzielle-Medien entwickelt. Diese Medien sind unter ISO-Normen von Fachfirmen hergestellt worden.
Ein erstes Medium dient zur Befruchtung bis zum Tag 3, und ein zweites Medium dient von Tag 3 bis zu den Tagen 5-6; dadurch kann ein unterschiedlicher physiologischer Bedarf gedeckt werden.
Kokulturen auf der Basis von Affen-Nierenzellen (Vero-Zellen) sind heutzutage wegen ethischen Aspekten und Infektionsrisiken nicht mehr zulässig.
Biologische Vorteile von Blastozyst-Kultur & Transfer :
In vitro Selektierung der überlebensfähigsten Embryonen
(nur hoch vitale Embryonen entwickeln sich und werden übertragen)
Transfer von maximal 1-2 Blastozysten
Niedrige Mehrlings-SS (da weniger Embryonen übertragen werden !)
Optimale Synchronisierung zwischen Uterus und Embryonalstadium
Höhere Implantationsraten sowie Schwangerschaftsraten, bis zu 50% nach Gardner et al 1998(5)
Medizinische und wirtschafliche Vorteile des Blastozysten-Transfers :
Weniger IVF bzw.ICSI Zyklen sind nötig.
Behandlungkosten niedriger.
Weniger Embryonen sind einzufrieren d.h. kleinere Embryonen-Kryobanken sind nötig. Risiko-Mehrlingschwangerschaften gehören der Vergangenheit an.
Situation in Deutschland
Basisforschung bezüglich menschlichen Embryonen und Kulturmedien muß nicht unbedingt in Deutschland betrieben werden. Um optimale Ergebnisse zu erlangen wäre es erfordelich alle in vitro erzeugten Zygoten (während einen IVF Zyklus) 5 Tage in kultur aufrecht zu halten, da die Ausbeute an hoch vitalen Blastozysten niedrig ist vergliechen zu befruchteten Eizellen (zygoten); sie beträgt circa 50%.
In Deutschland sieht das Embryonenschutzgesetz (Eschz) jedoch vor nur die gewünschte Anzahl vom max 3 Zygoten weiterkultivieren zu dürfen.
Unter diesen Voraussetzungen wird die Chance gute Ergenisse zu erzielne erheblich herabgesetztwas natüröich auf Kosten der Patienten geht.
Somit wäre es wünschenswert eine Änderung und europäische Anpassung des Embryonenschutzgesetzes baldmöglichst zu erzielen.
Referenzen :
MenezoY.,Guerin JF.,Czyba JC. Improvement of human early embryo development in vitro by coculture on monolayers of Vero cells.Biol Reprod.1990; 42:301-6
Menezo Y, Hazout A, Dumant M et al. Coculture of embryos on Vero cells and transfer of blastocysts in humans .Hum.Reprod. 1992;7:101-6
Gardner D. Development of serum free media for the culture and transfer of human blastocysts. in Development of the human embryo in vitro ,Human Reproduction Vol.13 suppl.4 Dec. 1998 Oxford univ.press
Menezo Y, Veiga A, Benkhalifa M.. Improved methods for blastocysts formation and culture in. in Development of the human embryo in vitro ,Human Reproduction Vol.13 suppl.4 Dec. 1998 Oxford univ.press
Gardner D. Ìn vitro culture of human blastocysts in " Towards reproductive certainty "Proceedings of the 11th. world congress on IVF & human reproductive genetics ,Sydney Parthenon publishing ,1999
Dr.rer.nat.Ph.Clédon UFK Tübingen Juli 1999